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Hörner-Trilogie zum Wallis Greenhorn/Hübschhorn/Obergabelhorn-Südwand 26.6 bis 02.07.05 2.Tag | 2:37 Uhr | Grimselpass | Nachtlager unter freiem Himmel Die Nachtfahrt hat ein Ende. Im Windschatten des Wagen suchen wir Schutz vor strengem Wind. Bevor die Schlafsäcke erkrochen sind, verschwindet Bergkamerad Götz im Dunkel der schneidenden Kälte. Konsequent stochert er prüfend im Schnee, um zwei Gute-Nacht-Bierchen zu kühlen. 3.Tag | 12:18 Uhr | Erstes Horn: Greenhorn
Furios umfeierte uns die Landschaft am Greenhorn, der ersten Eingehkletterei mit
dem diskriminierendsten aller Hörner-Namen. 4.Tag | 06:59 Uhr | Zweites Horn: Hübschhorn, 3187 m
Frühe Morgennebel wälzen über unsere Daunensäcke. Morgenmüde schleppen wir uns
zum Frühstücksplatz mit Sofa - der Tag wird anstrengend. Das ist mir zwei
Mirabellen wert - ein königliches Müsli schiebt sich zäh den Schlund hinab. Bald
schon erahnen wir die Konturen unserer 2. Kletterroute durch die lichter
werdende Suppe des Nebels. Wie von Zauberfeen versprüht blitzt das Meer der
Taukügelchen im satten Schrofengras. Schreckstarr und wie ausgestopft glotzten
hämische Murmeltiere. Die knapp 1200 Höhenmeter wurden uns nicht
geschenkt. Allüberall bröselte es und brach. Die Namensgebung
dieses Horns ordne ich einem trunkenem Talschreiber zu, dessen
Talent wohl einzig an morschen Weintischen vergoren sein musste.
Im Gipfelbuch (Erstbegehung in diesem Jahr) lässt sich Götz übel
über den kariösen Fels aus. Nicht ahnend, dass der folgende Abstieg weitere Gründe
lieferte, eine fette Klage gegen die Natur anzustrengen.
Die riesige, sehr steile Geröllhalde ließ mich in
den Supermarkt zurücksehnen. Fest stand auch, dass wir vor
der nächsten Tour auf Apfelsaftschorle umsteigen würden. 5.Tag | 10:17 Uhr | Erwachen am Simplonpass
6.Tag | 9:38 Uhr | Randa/Mattertal/Hotel Alpenblick Die Sterne am Nachthimmel wichen einer verlassenen Unterkunft, in der einzig die überaus zuvorkommende Vermieterin und ihr musikalischer Bruder Marco, nebst Mutter wohnten. Die Tourenvorbereitungen für das eigentliche Ziel wurden durch unsere großartige Stimmung in dieser empfehlenswerten Unterkunft nicht unwesentlich beeinflusst. 7.Tag | 6:58 Uhr | Aufstieg zum Arbenbiwak Schlaftrunken stiegen wir ins Sammeltaxi. Die eigentliche Tour begann. Täsch, der Parkplatz Zermatts, ruckelte an uns vorbei. Zermatt zwang uns leidlich auszusteigen, wissend, dass ab sofort unsere eigenen Füße für den Materialtransport verantwortlich waren. Kühl die klare Morgenluft des Mattertal - vor uns
der Weg zum Arbenbiwak. Welch ein Vergnügen, in der unglaublichen
Strahlkraft der Alpenszenerie zu Wandern. Die Matterhorn-Nordwand
straft alle Schokoladenabbilder Lügen und beschenkt uns
Flachlandtiroler mit seiner ungeuerlichen Macht. Als ständiger
Wegbegleiter können die innerlichen Kitschklischees nicht mehr
rebellieren. 8.Tag | 5:22 Uhr | Aufstieg zur Obergabelhorn-Südwand Die monatelange, innere Auseinandersetzung mit der Wand verlor ihr theoretisches Kostüm - im Übergang der Nacht zum Tag verließen wir das Biwak. Die müden Glieder schleppten sich warm. Sauerstoffdurchflutet lösten sich bangen Bedenken und wichen der Neugier auf das Klettern. Steiler die Firnhänge zum Einstieg in die Wand.
Fortsetzung folgt...
Claus Knobel |